Marcel Wrzesinski

Erinnerter Avantgardismus. (Sub-)kulturelle Vergegenwärtigungen zwischen Retrospektion und Prospektion


Das Denken der Zukunft erfordert den Bezug auf das Vergangene und die Bewertung des Gegenwärtigen. Stimmt dies, so scheint eine Betrachtung retrospektiver Praktiken aktueller Identitätskonstruktionen jenes Feld zu konkretisieren, durch das Menschen Erwartungshaltungen an eine noch kommende Zeit entwickeln.
Im Vortrag sollen nun die Mechanismen retrospektiver Identitätsbildung ausgewählter Protagonist_innen der Ost-Berliner Mode-Performance-Szene der 1980er betrachtet werden (CCD, Allerleirauh, …). Im Rahmen einer Anderskultur begehrten sie vermittels vestimentärer Codierungspraktiken gegen die gleichgeschaltete Ästhetik (pseudo-) sozialistischem Konformismus auf, dabei fernab regimekritischen Protests oder politischer Intervention. Die Kunst der Aufführung und die Markierung der Abweichung - pointiert im Geiste eines D.I.Y. - standen im Mittelpunkt individueller wie gruppenbezogener Performanz zur Selbstvergewisserung.
Nach einer groben Skizze des Milieus, wird im Vortrag den diesbezüglichen Strategien der Erinnerung nachgegangen. An ihnen lässt sich eine spezifische Form der Identitätspräsentation ausmachen, die den Mensch tendenziell als Zeitzeug_in der 'Zukunft' ausweisen könnte.