Manifest 2012

 

 

megaFon lädt vom 14. - 17. Juni 2012 zum zehnten Mal Nachwuchs-Performer_innen, -Wissenschaftler_innen, -Musiker_innen, -Künstler_innen und sonstige Kulturschaffende aus der freien Szene nach Bochum ein. Wir bieten eine Plattform, auf der sich zahlreiche Nachwuchskünstler_innen aus verschiedenen Staaten Europas kreativ austauschen können. An vier Tagen wird die Auswahl von sich in Form, Ästhetik und Inhalt unterscheidenden Kunstformen gezeigt. Um eine vielfältige Zusammenstellung  zu erreichen, legen wir sehr großen Wert auf die vorherige Auswahl der Produktionen, Kunstwerke und Sonstigem. Als Orte des Geschehens kommen vielerlei Lokalitäten in Frage, die keine etablierten Räume für Kunst sein müssen, so gab es im letzten Jahr Inszenierungen in Fashionstores, Tanzperformances in Cafés oder Installationen und Konzerte im öffentlichen Raum. Das alles in der Bochumer Innenstadt, in der sich megaFon seit 2010 ausbreitet.

Beweggründe, Ziele und Philosophie

Mit dem erfolgreichen Umzug des Theaterfestivals in Veranstaltungsorte der Bochumer Innenstadt im Sommer 2010 wurden künstlerische Arbeiten aus studentischem Kontext in das Stadtgeschehen integriert. Dies fand seinen_ihren vorläufigen Höhepunkt im Juni 2011, als acht kunst- und theateruntypische Orte in Bochum umfunktioniert und uminterpretiert wurden. Mit dem Raum scheint megaFon sich angefreundet zu haben, umgekehrt genauso.
Doch was fangen wir nun an? Das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass mit der Integration ins Stadtbild noch lange nicht alles gesagt oder thematisiert wurde. Deswegen würden wir dieses Jahr unseren Fokus erweitern und uns die Frage stellen, in welchen Austausch Theater mit anderen Kunstformen steht und welche Haltung da die sogenannte Theorie hat. Ferner würden wir gerne die scheinbare Differenz zwischen Theorie und Praxis hinterfragen, in dem wir auch Nachwuchwissenschaftler_innen und anderen Interessierten einen Ort bieten, an dem Fragen formuliert und diskutiert werden können.
Nicht nur das Theater, auch andere Kunstformen, die dieses Jahr ebenbürtig zu Performance stehen, sind immer ein Kommentar zum Hier und Jetzt, die womöglich immer diffuser werden; die Neuen Medien und ihr damit einhergehender Gebrauch rütteln zunehmend an lange geglaubten Grundgesetzen von dem was Theater, Konzerte oder Installationen sind.


Hier kommt zusammen, was zusammen kommen muss. Nicht nur die Kunst und megaFon, sondern auch der konkrete Austausch junger Menschen untereinander liegt uns am Herzen. Diese Erde ist so vertrackt. Und das System sowieso. Und trotzdem tanzen wir mit fremden Menschen und fliegen einen Abend lang im Rausche eines fremden Blickes. Aber was machst du wenn du der Onlinepetitionen überdrüssig, Sinnlosigkeit empfindest und Veränderungen in weiter Ferne zu liegen scheinen?
Alles ist gesagt und nichts ist geklärt. Wir bleiben hängen auf den Straßen unserer Stadt.
I know it's hopeless hell. Come on, let's pick up a fight !

Zukunft

Das diesjährige megaFon steht unter dem Motto „Zeitzeug_ der Zukunft“. Menschen, Dinge, Strukturen und Tiere die rumstanden, als das passierte, was wir alle als gemeinhin als „Zukunft“ betrachten... wenige Fragen sind inspirierender und schwieriger zu beantworten als diese.
Wie kann oder wie gehen Performances mit der durch das Internet evozierten Fragen des anwesenden Abwesenheit um? Dass ein im Internet angeschautes Konzert immer noch ein Konzert ist, scheint unproblematisch. Aber wie geht das Theater, wie geht eine Installation damit um, wenn die Zuschauenden „nur“ Online, aber nicht „da“ sind? Somit setzt sich jede Kunstform anders mit der Gegenwart aus, jedes hat andere Perspektiven.
Eine virulente Frage ist, wie aktuell und politisch Theater und Kunst sein können. Wo kann Kunst Intervention, und nicht nur Kommentar sein. Wie sieht widerständige Kunst aus? Wie ist es möglich, dass Kunst nicht in seinem Gegenteil oder dem Kritisierten verschwindet? Muss Kunst eine unaufgelöste Spannung zwischen zwei Widerständen bleiben, damit sie widerständig ist (J. Rancière)?
Unter den Kunstformen selbst ist es auch noch immer schwieriger geworden zu differenzieren, deswegen will megaFon dieses Jahr nicht mehr zwischen Rahmenprogramm und Hauptprogramm differenzieren, sondern allen Formen die gleiche Aufmerksamkeit schenken.
Seid gespannt auf ein buntes Programm bestehend aus Performances, Vorträgen, Lecture Performances, Fotografie, Musik, Party und Abhängen. Holt Euch Inspiration und neue Freund_innen: „jetzt“.
Werden Grenzen neuformuliert, etablierte verwischt, oder was ist los?

Was ist das was da immer in unseren Köpfen herumschwirrt und Gehirnkrämpfe verursacht und uns auf die Straßen gehen lässt, oder auch nicht. Was bereitet Euch Unbehagen oder Freude und was bleibt  hängen nach einer Woche Leben, in einer Welt die uns zu Humankapital degradiert, wo kann politisches Theater da mit seinem Finger auf die Gegenwart zeigen?
Wir sehen, Kritik fängt schon beim Fragen an.

...und nächstes Jahr widmet sich megaFon der Frage des Lebens. ;)